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Die Komturei-Kirche in Buro

 

Die Komturei-Kirche, ein aus massiven Feldsteinen errichteter mittelalterlicher Sakralbau, befindet sich nur wenige hundert Meter von der Elbe entfernt im Dörfchen Buro,

das heute ein Ortsteil der Stadt Coswig in Anhalt ist. Mit Tidericus (Dietrich) de Burowe wird 1237 erstmals eine adlige Familie erwähnt, die hier in Buro wohl ansässig gewesen

sein muß.

Der Kirchenbau selbst ist älter. Ursprünglich als turmlose Hallenkirche mit Schiff, eingezogenem Rechteckchor  und halbrunder Apsis errichtet, vervollständigt das Buroer Gotteshaus das typische Erscheinungsbild der um 1180 errichteten Kirchen des Vorflämings. Diese wehrhaften Gebäude waren nicht nur eine Stätte des Glaubens, sie boten auch Schutz vor weltlichen Feinden. Das Gebäude in Buro hat massive steinerne Mauern und feste Pforten. Früher boten Teiche, Gräben und Sümpfe noch einen natürlichen Schutz gegen Angreifer. Wie üblich war die ganze Kirche ehemals verputzt. In der noch frischen Putzschicht wurde ein Fugennetz imitiert, eine Technik, die man als "pietra rasa" bezeichnet. Reste dieser optischen Aufwertung sind heute noch erkennbar. Auch aus der Zeit der Erbauung stammen die später wieder vermauerten Priesterpforten an  der Nord- und Südseite des Chores. Am 13. Dezember 1258 verschenkten die Fürsten von Anhalt das Kirchdorf Buro mit allen dazugehörigen Besitzungen einschließlich seiner Bewohner an den Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, einem der großen Ritterorden der Kreuzzüge. In den folgenden Jahren errichtete der Deutsche Orden, wie er auch genannt wird, in Buro eine Komturei, die bis 1809 Bestand hatte. Der Komturei stand der Komtur vor, welcher die Kommende verwaltete. Ihm wurden die  Besitzungen anvertraut. Das heutige Bild des Kirchenbaus wird wesentlich von zwei barocken Modernisierungen bestimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So wurden  unter dem Komtur des Deutschen Ordens, Samson Freiherr vom Stain, nicht nur die Haupteingänge und Fenster vergrößert, sondern auch die Innenausstattung neu

angefertigt. Auf diese umfangreichen Umbauten bezieht sich auch die über dem Eingangsportal noch ablesbare Jahreszahl "1697". Vielleicht um 1730 mag die heutige

Fachwerkkonstruktion errichtet worden sein, die die Glocke trägt. Diese Bronzeglocke aus dem 13. Jahrhundert trägt am Glockenhals umlaufend die Aufschrift "Benedicta" 

(Ein Teil des Grußes der Engel an Maria - Ave Maria ... benedicta tu in mulieribus). Maria war Patronin des Deutschen Ordens. Eine zweite größere Glocke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts

wurde leider am Ende des Ersten Weltkrieges zerstört, weil man das Metall für die Rüstungsproduktion benötigte. 

 

 

Sicht auf die Gesamtanlage des Deutschen Ordens in Buro mit Ordenskirche

von 1730Quelle: Matthias Prasse: Der Deutsche Ritterorden in Buro, ISBN 978-3-00-024926-6.

Innenansicht der Ordenskirche zu Buro von 1758 mit Blick von der Komturloge.

Quelle: Matthias Prasse: Der Deutsche Ritterorden in Buro. ISBN 978-3-00-024926-6. 

 

Im Jahr 1744 und zwischen 1758 und 1760 erfolgten weitere Baumaßnahmen. Letztendlich wurden die Apsis und die Ostwand der Kirche abgebrochen

und so das ganze Gebäude um 4,60 m nach Osten verlängert, um Platz für eine neue Orgelempore zu schaffen. Die Erweiterung läßt sich gut an den

verwendeten Ziegelsteinen erkennen. In den harten Jahren des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) stellte diese Baumaßnahme eine sehr hohe

Herausforderung für die Gemeindemitglieder dar. Im Frühjahr 1845 wurde Buro durch ein verheerendes Hochwasser der Elbe heimgesucht.

Die Marken der Pegelstände sind heute noch auf der Nord- als auch auf der Südseite des Kirchenschiffes gut erkennbar angebracht. Eine Höhenmarke,

die die Höhe über den Meeresspiegel dokumentiert, wurde auf Bitten der Trigonometrischen Abteilung der "Königlichen Landes Aufnahme"

im September 1885 rechts neben dem Eingang auf der Nordseite der Kirche im Mauerwerk verankert. Es  ist ein 18 cm langer Metallbolzen von 4 cm Stärke,

der damals ca. 1 m über den Erdboden in die Wand eingelassen wurde. Die Kirche selbst betritt man durch ein barockes Portal von Norden her.

Wie in anderen Kirchen im anhaltischen Raum wirkt die Innenausstattung klar und übersichtlich. Wichtigster Ausstattungsgegenstand ist der 1697 gefertigte

Barockaltar mit seinem aus Holz geschnitzten Aufsatz, in dem ein rundbogig abgeschlossenes Tafelbild von der Kreuzabnahme Christi eingefügt ist.

Bis 1980 befand sich hinter dem Altar die Orgelempore mit einer Rokoko-Orgel aus der Werkstatt der anhaltischen Orgelbauerfamilie Zuberbier.

Sie konnte damals leider aus Kostengründen nicht erhalten werden. Der freigewordene Platz wurde zum Ausbau eines Gemeinderaumes genutzt.

Die polygone Kanzel am südlichen Triumphbogen hat teilweise noch die weiß-gold abgesetzte Farbgebung des Barock. Sie stützt sich auf eine gedrehte Holzsäule.

In ihren Feldern werden die vier Evangelisten mit ihren Symbolen in alter handwerklicher Malerei dargestellt, jeweils umsäumt von geschnitzten Ornamenten.

Der Schalldeckel oberhalb der Kanzel zeigt eine Darstellung des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube. Die Taufschale aus Zinn wurde schon zu Zeiten

des Deutschen Ordens benutzt. Während der Täufling das Sakrament der Taufe empfing, schwebte ein Taufengel über ihn, der durch eine Luke in der

Decke bewegt wurde. Der Taufengel ist seit 1945 verschwunden. Er war eine Leihgabe zum Museum der Stadt Zerbst und ist während des verheerenden

Luftangriffes am 16. April 1945 wahrscheinlich dort verbrannt. Unmittelbar an der Westseite des Kirchenschiffes schließen sich die Wohngebäude des Ordenshauses an.

Die Komture gelangten über die Komturloge (Kumterloch) direkt in den sakralen Bereich und konnten von der Loge aus am Gottesdienst teilnehmen.

Unter der in Blei gefaßten Butzenverglasung der Loge befinden sich vier große Felder, die mit Bibelsprüchen beschriftet sind. Das wiederholt sich an den Rückseiten der Bänke im

Eingangsbereich. Beachtenswert und ein wesentlicher Bestandteil der Innenausstattung sind die aufwendig gearbeiteten Sandsteinepitaphien der Komture Hans von Lattorff († 1571),

Bethmann Franz von Bennigsen (1684) und Samson Freiherr vom Stain († 1727). Ihre als Halbrelief in Lebensgröße gearbeiteten Gedenktafeln sind gut erhalten geblieben.

Die Buroer Kirche als Ordenskirche des Deutschen Ordens macht sie für Anhalt einmalig, zumal es die einzige Niederlassung in Anhalt war. Mit der Durchsetzung der Säkularisation

in den von Napoleon I. gegründeten Rheinbundstaaten wurde die Niederlassung des Deutschen Ordens in Buro aufgelöst und der Besitz fiel am 12.06.1809 an das Herzogtum

Anhalt-Bernburg zurück. Der erste Pächter der nun Herzoglichen Domäne war Carl Friedrich Zuckschwerdt (* 1786 - 1861), der am 24.01.1811 seinen Pachtvertrag für das

landwirtschaftliche Gut in Buro unterschrieb. An sein langjähriges Wirken als Amtsrat in Buro erinnert eine Gedenktafel an der Süd-Ost-Ecke der Kirche. Zuckschwerdt stiftete

auch den Cholerastein im Wald am Dorfrand. Hier ruhen drei Einwohner des Ortes, die nicht auf dem "Gottesacker" neben der Kirche bestattet werden durften. Das war um das

Jahr 1830. Von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, die zur Komturei gehörten, ist nichts mehr erhalten geblieben. Das Kirchen- und Turmdach sowie die Turmfassaden wurden

1993 saniert. Der Altaraufsatz konnte im Jahr 2012 restauriert und nach über 20 Jahren wieder aufgestellt werden. Im Jahr 2014 erhielt das Kirchenschiff eine Dachrinne, um die

Reste des historischen Außenputzes und ein fast schon nicht mehr sichbares Fresko an der Südseite zu schützen. Die Räume der Komturei werden inzwischen wieder privat genutzt

und behutsam erneuert. Trotz aller Fortschritte sind auch weiterhin Restaurierungen notwendig und eine Notsicherung der Komturloge ist dringend notwendig.

Die Kirchengemeinde würde sich sehr über Ihren Besuch in der Buroer Kirche und eine eventuell damit verbundene Spende zum Erhalt dieses einmaligen Kirchenensembles freuen.

Evangelische Hoffnungsgemeinde Zieko  | 034903-62645